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Agenten loggen sich nicht ein. Wer 2026 trotzdem pro Sitzplatz verlängert, friert die falsche Metrik für drei Jahre ein.

Gartner beziffert 234 Milliarden US-Dollar an Enterprise-Software-Ausgaben, die bis 2030 durch agentische Arbitrage gefährdet sind, rund 20 Prozent des Enterprise-SaaS-Budgets. Der Auslöser ist keine Preiserhöhung, sondern ein Wechsel der Abrechnungseinheit. Was das für Verträge bedeutet, die in diesem Jahr verlängert werden, und wie man sie metrik-neutral verhandelt.

Fabian Weiss, Gründer von FW Delta Fabian Weiss
22. Mai 2026 14 Min Read

Kernaussagen

  • Gartner beziffert 234 Mrd. USD an Enterprise-Application-Software-Ausgaben als gefährdet durch agentische Arbitrage bis 2030, rund 20 Prozent der Enterprise-SaaS-Ausgaben (Pressemitteilung vom 1. Juli 2026).
  • Growth Unhinged zählt für 2026 hybride Preismodelle bei 37 Prozent der befragten Softwareunternehmen gegenüber 25 Prozent im Vorjahr; 29 Prozent rechnen bereits in AI Credits oder Token ab.
  • Zylo berichtet für 2026, dass 78 Prozent der IT-Verantwortlichen unerwartete Kosten durch KI-Funktionen oder verbrauchsabhängige Bepreisung erlebt haben und 61 Prozent wegen ungeplanter SaaS-Kostensteigerungen Projekte gestrichen haben.

Warum bricht nicht der Preis, sondern die Metrik?

Die Diskussion über Softwarekosten läuft seit Jahren auf derselben Achse: zu teuer oder vertretbar. Das ist die falsche Achse. Was 2026 passiert, ist kein Preissprung, sondern ein Wechsel der Bezugsgröße. Jahrzehntelang war die Abrechnungseinheit von Unternehmenssoftware ein Mensch mit einem Login, und sie funktionierte, weil Arbeit und Anwesenheit dasselbe waren.

Ein Agent bricht diese Gleichung. Kein Vorname, keine Personalnummer, keine Arbeitszeit. Er ruft eine API auf, führt eine Aufgabe aus und verschwindet wieder. Er erzeugt Last, aber keinen Sitzplatz. Und je besser du automatisierst, desto mehr Arbeit läuft durch Kanäle, die in der Sitzplatz-Logik überhaupt nicht vorkommen.

Daraus folgt die eigentliche Pointe, und sie richtet sich nicht gegen die Anbieter, sondern gegen den Einkauf: Wer in diesem Jahr einen Mehrjahresvertrag auf der alten Metrik unterschreibt, friert eine Kostenbasis ein, die im Widerspruch zur eigenen Automatisierungsstrategie steht. Du zahlst weiter für Anwesenheit, während dein Wertschöpfungsanteil in Ausführung wandert. Und du hast dir für die Laufzeit den Hebel genommen, den Wechsel selbst mitzugestalten.

Die Kernaussage

Nicht der Preis pro Sitzplatz ist das Problem, sondern der Sitzplatz als Bezugsgröße. Ein Vertrag, der Anwesenheit bepreist, wird in dem Moment strukturell falsch, in dem Arbeit ohne Anwesenheit stattfindet. Die Verlängerung, die dieses Jahr ansteht, legt fest, auf welcher Seite dieses Bruchs du die nächsten Jahre verbringst.

Was Gartner tatsächlich sagt

Am 1. Juli 2026 hat Gartner die Größenordnung beziffert. Bis 2030 sind demnach 234 Milliarden US-Dollar an Enterprise-Application-Software-Ausgaben durch agentische Arbitrage gefährdet, was rund 20 Prozent der Enterprise-SaaS-Ausgaben entspricht. Gefährdet heißt hier nicht, dass diese Ausgaben verschwinden. Es heißt, dass sie ihren Empfänger und ihre Berechnungsgrundlage wechseln können.

George Brocklehurst, Managing Vice President bei Gartner, formuliert den Mechanismus präzise: “This breaks the link between user growth and revenue growth for many enterprise software vendors.” Die Kopplung zwischen Nutzerwachstum und Umsatzwachstum war das ökonomische Fundament des Abomodells. Sie war der Grund, warum Anbieter Nutzeradoption gemessen und gefeiert haben. Wenn diese Kopplung reißt, verliert der Anbieter nicht Umsatz, sondern seinen Wachstumsmotor.

Die Konsequenz für den Käufer steht im selben Zitatblock, nur aus der anderen Richtung: “You are no longer buying software primarily for people; you are increasingly buying it for agents.” Das ist keine Prognose über die Zukunft der Arbeit, sondern eine Beschaffungsanweisung. Wenn der Empfänger der Software ein Agent ist, dann ist die Frage nach der Anzahl der Nutzer die falsche Frage im Verhandlungsraum.

Gartner benennt dabei ausdrücklich beide Seiten. Die Verschiebung sei “an existential threat for vendors who are defending legacy dashboards and seat-based models” und gleichzeitig eine erhebliche Umsatzchance für andere. Ein Anbieter, der sein Sitzplatzmodell verteidigt, verteidigt nicht seinen Preis, sondern seine Zählweise.

Ein Detail aus derselben Berichterstattung gehört in jede Anbieterbewertung: Nach Gartner-Schätzung sind rund 70 Prozent der derzeit am Markt angebotenen Agenten “agent-washing”. Der Metrikwechsel wird also von einem Angebot begleitet, das mehrheitlich nicht hält, was das Etikett verspricht. Wer verbrauchsbasiert einkauft, kauft im Zweifel Verbrauch ohne Ergebnis.

Wie die Anbieter tatsächlich umstellen

Die interessante Beobachtung ist nicht, dass Anbieter umstellen. Sie ist, wie sie es tun. Drei Muster lassen sich an veröffentlichten Ankündigungen belegen, und keines davon ist die saubere Ablösung des Sitzplatzes, die in der Debatte oft unterstellt wird.

GitHub hat am 27. April 2026 angekündigt, alle Copilot-Pläne zum 1. Juni 2026 auf verbrauchsbasierte Abrechnung umzustellen. Abgerechnet wird nach Token-Verbrauch, also Input, Output und gecachte Token, zu den veröffentlichten API-Raten je Modell. Entscheidend ist der Satz, den viele Zusammenfassungen weglassen: Die Sitzplatzpreise bleiben bestehen. Der Verbrauch wird darübergelegt, ergänzt um ein monatliches Credit-Guthaben in Höhe des Sitzplatzpreises, bei Business 19 US-Dollar je Nutzer und Monat mit 19 US-Dollar Guthaben, bei Enterprise 39 zu 39. Die Begründung von GitHub ist ökonomisch sauber: Das bisherige Modell sei nicht mehr tragfähig, weil eine kurze Chatfrage und eine mehrstündige autonome Coding-Session bislang gleich viel kosteten.

Workday geht über AI Flex Credits, die verbraucht werden, wenn Agenten in Produktion arbeiten. Die Produktseite formuliert das Prinzip wörtlich: “Flex Credits charge for the work AI completes on your behalf, not the number of employees in your organization.” Metriert wird je Agenten-Skill, etwa ein Credit pro Informationsabruf gegenüber fünf Credits pro autonom erledigter Aufgabe. Zur Transparenz gehört eine Platform Consumption Console mit Warnung bei niedrigem Guthaben.

Salesforce hat den Schritt bereits am 15. Mai 2025 mit der Ankündigung flexibler Agentforce-Bepreisung vollzogen: Flex Credits treten neben die Nutzerlizenz, ein Paket von 100.000 Credits kostet 500 US-Dollar, eine Agentforce-Aktion verbraucht 20 Credits, also 0,10 US-Dollar. Die bisherige Gesprächsbepreisung mit 2 US-Dollar je Konversation bleibt daneben bestehen. Zendesk hat bereits am 28. August 2024 ergebnisbasierte Bepreisung für KI-Agenten eingeführt und rechnet je automatisierter Lösung statt je Sitzplatz ab. Das ist das reinste Beispiel für echtes Outcome-Pricing in dieser Reihe.

AnbieterNeue AbrechnungseinheitSitzplatz bleibtWas du damit nicht mehr steuerst
GitHub CopilotToken (Input, Output, gecacht) zu veröffentlichten API-Raten je ModellJa, Preis unverändert, plus Credit-Guthaben in Höhe des SitzplatzpreisesWie lange eine autonome Session läuft
WorkdayCredits je Agenten-Skill, 1 Credit je Informationsabruf, 5 Credits je autonom erledigter AufgabeJa, Flex Credits liegen danebenWie oft ein Agent im Hintergrund arbeitet
Salesforce AgentforceFlex Credits je Aktion, 20 Credits (0,10 USD) je Aktion, 500 USD je 100.000 CreditsJa, neben der NutzerlizenzWelche Aktion wie viele Credits kostet
ZendeskJe automatisierter Lösung (“per resolution”)Für KI-Agenten nichtWie viele Tickets der Agent löst

Warum das Hybrid heißt und nicht Ablösung

In drei von vier Fällen bleibt der Sitzplatz stehen und der Verbrauch kommt oben drauf. Das ist die für den Einkauf teuerste Variante, weil sie die alte Grundlast konserviert und eine neue variable Schicht hinzufügt. Wer das Sitzplatzmodell für ein Auslaufmodell hält und deshalb bei der Verlängerung nur über den Nutzerpreis verhandelt, verhandelt genau die Hälfte, die konstant bleiben soll.

Was die Zahlenlage hergibt und was nicht

An dieser Stelle ist eine Zwischenbemerkung nötig, weil die kursierenden Zahlen zu diesem Thema in Teilen nicht halten, was ihre Verbreitung suggeriert.

Belastbar ist der Gartner-Block: 234 Milliarden US-Dollar, rund 20 Prozent, bis 2030. Belastbar ist außerdem die Erhebung von Growth Unhinged. In der Ausgabe 2026, erhoben im April und Mai 2026 unter mehr als 230 Softwareunternehmen, liegen hybride Preismodelle bei 37 Prozent gegenüber 25 Prozent im Vorjahr. Wichtig ist, was gemessen wird: der Anteil der befragten Unternehmen mit dem jeweiligen primären Preismodell, nicht ein Umsatzanteil des Marktes. Die Vorjahresausgabe mit 240 befragten Unternehmen weist eine Bewegung von 21 auf 15 Prozent bei sitzplatzbasierter Bepreisung, von 27 auf 41 Prozent bei hybriden Modellen und von 29 auf 22 Prozent bei Flat Fee aus. Die beiden Erhebungswellen sind nicht deckungsgleich, die Reihen lassen sich nicht aneinanderhängen.

Nicht belastbar ist dagegen eine Zahl, die in der Berichterstattung Karriere gemacht hat: die Prognose, mindestens 40 Prozent der Enterprise-SaaS-Ausgaben lägen bis 2030 in nutzungs-, agenten- oder ergebnisbasierten Modellen, zugeschrieben an Gartner. Diese Formulierung findet sich in einem einzelnen Sekundärartikel und kommt weder in der Gartner-Pressemitteilung vom 1. Juli 2026 noch in vier weiteren geprüften Syndizierungen vor. Ebenso wenig belastbar ist die Deutung der Growth-Unhinged-Zahlen als Gartner-Angabe zum Umsatzanteil der Anbieter. Und die häufig zitierte Angabe, über 75 Prozent der KI-Anbieter seien bei der Bepreisung agentischer Lösungen unsicher, ließ sich in keiner Fachquelle verifizieren.

Das ist kein Nebenschauplatz. Wenn du eine Verlängerung mit einer Marktprognose begründest, die einer Prüfung nicht standhält, hast du im Zweifel deine Verhandlungsposition auf Sand gebaut. Die belegte Richtung reicht vollkommen aus.

Was der Umstieg auf der Käuferseite kostet

Die Kosten des Metrikwechsels tauchen nicht als Preiserhöhung auf, sondern als Prognoseverlust. Der Zylo 2026 SaaS Management Index, gestützt auf über 40 Millionen verwaltete Lizenzen und mehr als 75 Milliarden US-Dollar erfasste Ausgaben, berichtet, dass 78 Prozent der IT-Verantwortlichen unerwartete Kosten durch KI-Funktionen oder verbrauchsabhängige Bepreisung erlebt haben. 61 Prozent haben wegen ungeplanter SaaS-Kostensteigerungen Projekte gestrichen. Das ist der eigentliche Schaden: nicht die Rechnung, sondern die abgebrochene Automatisierung.

Die Größenordnung dahinter: durchschnittliche SaaS-Ausgaben von 55,7 Millionen US-Dollar, Median 20,6 Millionen, im Schnitt 305 Anwendungen je Unternehmen. Die Ausgaben für KI-native Anwendungen legten im Jahresvergleich um 108 Prozent zu, in Großunternehmen um 393 Prozent. Diese Wachstumsraten treffen auf eine Beschaffung, die für eine Einheit gebaut wurde, die sich einmal im Jahr ändert.

Gartner hat den Prognoseverlust in einer zweiten Pressemitteilung vom 24. Juni 2026 an einem konkreten Fall durchgerechnet und erwartet, dass die KI-Coding-Kosten bis 2028 das durchschnittliche Entwicklergehalt übersteigen, getrieben durch steigenden Token-Verbrauch. Als Grund für die mangelnde Kostenprognostizierbarkeit nennt Gartner ausdrücklich die fehlende Transparenz der Anbieter darüber, wie Token-Verbrauch berechnet und abgerechnet wird. Das ist die Klausel, die in deinem Vertrag fehlt, formuliert als Marktbefund.

Passend dazu die Margenerwartung der Anbieterseite aus der Growth-Unhinged-Erhebung 2026: Die Median-Zielmarge für KI-Umsätze liegt bei rund 50 Prozent, nur 12 Prozent der Unternehmen zielen auf die SaaS-typischen 80 Prozent und mehr. Anbieter kalkulieren also selbst mit deutlich dünneren Margen. Wer glaubt, verbrauchsbasierte Modelle seien nur eine elegantere Form der Preiserhöhung, unterschätzt, wie stark die Kostenseite der Anbieter tatsächlich variabel geworden ist.

Warum ausgerechnet dieses Renewal die Basis für Jahre setzt

Drei Entwicklungen fallen zeitlich zusammen, und ihr Zusammentreffen ist der Grund für die Dringlichkeit.

Erstens verschiebt sich die Abrechnungseinheit gerade aktiv. Growth Unhinged berichtet für 2026, dass 29 Prozent der Unternehmen bereits AI Credits oder Token als Abrechnungseinheit einsetzen und 33 Prozent die Einführung binnen sechs bis zwölf Monaten planen; bei Unternehmen über 50 Millionen US-Dollar ARR will rund die Hälfte noch im laufenden Jahr umstellen. Ein Dreijahresvertrag, der heute unterschrieben wird, überlebt diese Umstellung beim Anbieter garantiert.

Zweitens ist ergebnisbasierte Bepreisung noch klein, wächst aber gerichtet. In der Erhebung 2025 lag sie bei 5 Prozent der Teilnehmer, erwartet werden 25 Prozent bis 2028. Gleichzeitig bündeln 53 Prozent KI-Funktionen in das Kernprodukt, und drei von vier Unternehmen haben im Vorjahr ihr Pricing geändert. Preisstabilität ist in diesem Markt die Ausnahme, nicht die Regel.

Drittens ist der Wechsel bereits in der Rechnungslegung angekommen. Deloitte hat am 4. Juni 2026 ein Technology Spotlight zur Bilanzierung ergebnisbasierter Bepreisung bei agentischen KI-Softwareprodukten veröffentlicht, das die Fragen nach ASC 606 behandelt, insbesondere variable Gegenleistung und den Zeitpunkt der Umsatzrealisierung. Wenn Wirtschaftsprüfer Leitfäden schreiben, ist die Umstellung kein Trend mehr, sondern ein Vorgang mit Aktenzeichen. Und Anbieter, die ihre Umsatzrealisierung umbauen, bauen ihre Vertragsmuster mit um. Genau diese Muster liegen dir gerade zur Unterschrift vor.

Wie man metrik-neutral verhandelt

Metrik-neutral heißt nicht, das neue Modell zu verweigern. Es heißt, den Vertrag so zu schreiben, dass ein Wechsel der Abrechnungseinheit dich weder überrascht noch doppelt trifft. Sieben Klauseln tragen den größten Teil dieser Last.

KlauselWas sie verhindertWoran du merkst, dass sie fehlt
Abrechnungseinheit im Vertragstext definiert, nicht per Verweis auf eine PreisseiteEinseitige Neudefinition dessen, was eine Aktion, eine Lösung oder ein Credit istDer Vertrag verweist auf eine Webseite mit Änderungsvorbehalt
Konversionsregel zwischen alter und neuer Metrik zu festem KursDass bezahlte Sitzplätze bei Umstellung als Grundlast bestehen bleibenKein Satz darüber, was bei einem Modellwechsel mit den Lizenzen passiert
Preisobergrenze je Abrechnungseinheit, nicht je NutzerDass die Deckelung leerläuft, sobald nicht mehr nach Nutzern abgerechnet wirdDer Cap ist ausschließlich als “per user per month” formuliert
Auditrecht auf rohe Verbrauchsereignisse, nicht nur auf MonatssummenDass du die Rechnung nur gegen das Dashboard des Anbieters prüfen kannstVerbrauch ist ausschließlich aggregiert im Portal sichtbar
Ausdrückliche Freigabe vor Verrechnung von ÜberverbrauchAutomatische Nachbelastung bei Lastspitzen und FehlläufenFormulierungen, nach denen Überverbrauch automatisch abgerechnet wird
Sonderkündigungsrecht bei einseitiger Änderung der MetrikDass ein Modellwechsel dich mitten in der Laufzeit bindetÄnderungsvorbehalt ohne Gegenrecht des Kunden
Datenexport in maschinenlesbarer Form zum VertragsendeDass die Ausstiegsoption theoretisch bleibtExport nur als PDF, nur auf Anfrage oder gegen Aufpreis

Zwei Punkte verdienen Nachdruck. Die Preisobergrenze je Nutzer ist die häufigste Scheinsicherheit in bestehenden Verträgen: Sie schützt exakt die Metrik, die gerade an Bedeutung verliert, und schweigt zu der, die an Bedeutung gewinnt. Und das Auditrecht auf rohe Ereignisse ist nur so viel wert wie deine Fähigkeit, sie zu lesen. Ohne eigene Zählung ist ein Auditrecht ein Recht auf Daten, mit denen du nichts anfangen kannst.

Bei der Laufzeit gilt eine einfache Regel: Je stärker ein System von deiner Automatisierung getroffen wird, desto kürzer die Bindung. Ein Vertrag über ein System, dessen Nutzung in zwölf Monaten überwiegend von Agenten erzeugt wird, gehört nicht auf drei Jahre festgeschrieben, egal wie attraktiv der Rabatt aussieht.

Miss deinen Verbrauch, bevor der Anbieter ihn misst

Verbrauchsbasierte Verträge verschieben die Beweislast. In der Sitzplatzwelt konntest du die Rechnung gegen eine Namensliste prüfen. In der Verbrauchswelt prüfst du sie gegen Ereignisse, die in fremden Systemen entstehen. Wer keine eigene Zählung führt, verhandelt bei der nächsten Verlängerung ausschließlich mit den Zahlen der Gegenseite.

Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär und in einer Woche gebaut: ein eigener Ereignis-Ledger, in den jede Agentenaktion geschrieben wird, bevor sie das fremde System erreicht.

{
  "ts": "2026-05-19T09:14:22Z",
  "system": "crm",
  "vendor": "vendor-a",
  "actor_type": "agent",
  "actor_id": "svc-agent-lead-qualify",
  "unit": "task_completed",
  "unit_count": 1,
  "replaces_seat_role": "sales-rep",
  "outcome": "resolved",
  "vendor_billed_units": 5
}

Zwei Felder machen den Unterschied. vendor_billed_units neben unit_count erlaubt es, den Umrechnungsfaktor des Anbieters über die Zeit zu beobachten. Verändert er sich, ohne dass sich der Preis ändert, ist das eine stille Preiserhöhung. Und replaces_seat_role macht sichtbar, welche Sitzplätze du eigentlich nicht mehr brauchst.

SELECT vendor,
       unit,
       date_trunc('month', ts) AS monat,
       sum(unit_count)          AS eigene_einheiten,
       sum(vendor_billed_units) AS abgerechnete_einheiten,
       round(sum(vendor_billed_units)::numeric
             / nullif(sum(unit_count), 0), 3) AS faktor
FROM agent_usage_event
GROUP BY 1, 2, 3
ORDER BY monat DESC, abgerechnete_einheiten DESC;

Diese drei Spalten sind die härteste Verhandlungsgrundlage, die du bekommen kannst, weil sie aus deinem System stammen. Sie beantworten außerdem die Frage, die bei jedem Verlängerungsgespräch gestellt und selten belegt wird: Wie viel von dem, wofür wir bezahlen, wird tatsächlich genutzt. Das ist der Punkt, an dem Monitoring aufhört, ein Betriebsthema zu sein, und zu einem Einkaufsinstrument wird. In einem Kostendashboard zusammengeführt, ersetzt es die jährliche Überraschung durch einen laufenden Wert.

Was du selbst baust und was du weiter kaufst

Die Build-or-Buy-Frage bekommt durch den Metrikwechsel ein neues, schärferes Kriterium. Es lautet nicht mehr, was billiger ist, sondern welche Einheit sich vervielfacht, wenn deine Automatisierung funktioniert.

Selbst bauen lohnt dort, wo die Abrechnungseinheit direkt an deinem Automatisierungserfolg hängt. Orchestrierung zwischen Systemen, interne Agenten-Workflows, Verbrauchszählung, Schwellenwerte und Freigaben: Das sind genau die Stellen, an denen jeder Effizienzgewinn bei einem verbrauchsbasierten Anbieter sofort in eine höhere Rechnung übersetzt wird. Du optimierst und zahlst dafür. Diese Rückkopplung willst du nicht extern haben.

Weiter kaufen lohnt dort, wo die Einheit von deiner Automatisierung unberührt bleibt und der Anbieter Risiko übernimmt, das du sonst selbst tragen müsstest. Buchhaltungssysteme mit regulatorischen Updates, Identitätsverwaltung, zertifizierte Branchenlösungen. Hier bleibt die Zahl der Menschen die ehrlichere Bezugsgröße, und der Sitzplatz ist kein Konstruktionsfehler.

Dazwischen liegt die Kategorie, die im SaaS Graveyard landet: Werkzeuge, die einen einzelnen Schritt in einer Kette abdecken, an dem gerade ein Agent arbeitet. Sie werden zuerst teuer, weil ihre Nutzung als erstes durch Maschinen wächst, und sie sind zuerst ersetzbar, weil ihr Funktionsumfang schmal ist. Genau diese Kategorie gehört nicht in einen Mehrjahresvertrag, sondern auf eine Liste für den Eigenbau als maßgeschneiderte Lösung.

Was du vor der nächsten Unterschrift entscheiden musst

Der belegte Kern ist schmal und reicht trotzdem für eine Entscheidung. Gartner beziffert 234 Milliarden US-Dollar und rund 20 Prozent der Enterprise-SaaS-Ausgaben als gefährdet, weil die Kopplung zwischen Nutzerzahl und Umsatz reißt. Die Anbieter reagieren überwiegend hybrid, also mit Verbrauch zusätzlich zum Sitzplatz. Und die Käuferseite berichtet mehrheitlich von unerwarteten Kosten aus genau dieser Umstellung.

Daraus folgen drei Entscheidungen, und keine davon braucht eine Marktprognose.

Erstens: Führe für jedes System, das in den nächsten zwölf Monaten zur Verlängerung ansteht, eine eigene Verbrauchszählung ein, bevor du verhandelst. Ohne eigene Zahlen ist jede Verhandlung eine Anhörung.

Zweitens: Verhandle die Abrechnungseinheit, nicht den Rabatt. Ein Prozentpunkt Nachlass auf eine Metrik, die in achtzehn Monaten nicht mehr die maßgebliche ist, ist ein Zugeständnis ohne Wert.

Drittens: Koppele die Laufzeit an den Automatisierungsgrad. Was Agenten anfassen, wird kurzfristig gebunden. Was Menschen anfassen, darf lang laufen.

Wenn du wissen willst, wie diese Zählung in einer bestehenden Systemlandschaft konkret aussieht und welche Verträge bei dir zuerst an der falschen Metrik hängen, sprich mit uns.

Quellen

Hinweis zur Quellenlage: Die Gartner-Pressemitteilungen waren beim Abruf gesperrt; ihr Inhalt wurde über vier unabhängige Syndizierungen gegengeprüft. Die Zahlen zu Preismodell-Anteilen stammen aus den Erhebungen von Growth Unhinged und messen den Anteil der befragten Unternehmen mit dem jeweiligen primären Preismodell, nicht einen Marktumsatzanteil; die Wellen 2025 und 2026 sind nicht deckungsgleich und nicht als Zeitreihe lesbar. Die Preisangaben zu Agentforce stammen aus der Salesforce-Pressemitteilung vom 15.05.2025, die Angaben zu Zendesk aus dessen eigener Ankündigung vom 28.08.2024; kursierende Angaben zu einem Preis je erfolgreicher Lösung bei Salesforce ließen sich am Primärtext nicht bestätigen und werden hier nicht verwendet. Vom Deloitte-Beitrag wurden Titel und Datum verifiziert, nicht der Volltext. Die verbreitete Angabe, Gartner erwarte bis 2030 mindestens 40 Prozent der Enterprise-SaaS-Ausgaben in nutzungs-, agenten- oder ergebnisbasierten Modellen, ließ sich am Primärtext nicht bestätigen und wird hier bewusst nicht verwendet. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Steuerberatung; für die Bewertung konkreter Vertragsklauseln ziehe qualifizierten Rat hinzu.
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